Ignaz Semmelweis: Retter der Mütter

Ignaz Semmelweis gilt als der Entdecker der medizinischen Hygiene. Früher wurde er verspottet, heute wird er als Retter der Mütter gefeiert.
Leben und Herkunft
Ignaz Philipp Semmelweis wurde am 1. Juli 1818 in Ofen im heutigen Budapest geboren. Er war das fünfte Kind einer wohlhabenden Familie, die großen Wert auf eine gute Ausbildung legte.
Nach dem Medizinstudium in Budapest und Wien spezialisierte er sich auf Geburtshilfe und trat 1846 eine Stelle an der Wiener Allgemeinen Krankenanstalt an. Damals war das Kindbettfieber weit verbreitet. Die Infektion trat nach der Entbindung auf und endete oft tödlich. Sie galt als eine der größten Probleme der Geburtshilfe. Besonders auffällig war, dass die Sterblichkeit in der Station der Ärzte und Medizinstudenten höher war als in jener der Hebammen.
Nächste Woche trete ich meine Stelle als Herr Doktor auf der ersten Station der Entbindungsklinik im Allgemeinen Krankenhaus von Wien an. Ich war entsetzt, als ich vom Prozentsatz der Patienten hörte, die in dieser Klinik sterben. In diesem Monat starben dort sage und schreibe 36 von 208 Müttern, alle an Kindbettfieber. Ein Kind zur Welt zu bringen ist genauso gefährlich wie eine Lungenentzündung ersten Grades. – Tagebuch von Ignaz Semmelweis, Juli 1846
Die Neugier von Semmelweis
Semmelweis begann, die Ursachen zu erforschen. Die wichtige Erkenntnis kam im Jahr 1847. Sein Kollege Jakob Kolletschka starb an einer Blutvergiftung nach einer Verletzung bei einer Obduktion. Die Symptome dieser Infektion ähnelten jenen des Kindbettfiebers. Semmelweis folgerte daraus, dass die Ärzte selbst die Krankheit übertrugen, indem sie nach Leichenuntersuchungen direkt zu den Gebärenden gingen, ohne die Hände zu reinigen. Er ordnete deshalb an, dass sich alle Ärzte und Studenten vor jeder Untersuchung mit einer Chlorlösung die Hände waschen mussten. Das Ergebnis war beeindruckend: Die Sterblichkeitsrate sank innerhalb weniger Monate von etwa zehn auf unter zwei Prozent.
Spott der Kollegen
Anstatt die gebührende Anerkennung zu erhalten, stieß Ignaz Semmelweis auf heftigen Widerstand. Viele seiner Kollegen wollten nicht glauben, dass sie selbst die Ursache des Problems waren und fühlten sich durch seine Schlussfolgerungen persönlich angegriffen. Die Vorstellung, dass unsichtbare Partikel – Bakterien oder Keime, wie man sie später nennen würde – Krankheiten übertragen konnten, war damals noch nicht wissenschaftlich anerkannt. Die Erkenntnisse von Semmelweis stellten die Autorität der Medizin infrage. Er wurde verspottet, angefeindet und letztlich aus seiner Wiener Stellung gedrängt.
Weitere berufliche Laufbahn
In den folgenden Jahren kehrte Ignaz Semmelweis nach Budapest zurück, wo er weiter als Geburtshelfer arbeitete und seine Hygienemaßnahmen einführte. Auch dort konnte er die Sterblichkeit drastisch senken. Dennoch blieb ihm die due Anerkennung seiner Arbeit verwehrt. Immer wieder schrieb er leidenschaftliche Briefe, in denen er seine Kollegen aufforderte, endlich die Ursachen des Kindbettfiebers zu erkennen und ihre Verantwortung wahrzunehmen. Doch die jahrelange Ablehnung ließ ihn zunehmend verbittert und isoliert erscheinen.
Tod
Im Jahr 1865 wurde Semmelweis in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, wo er am 13. August unter bis heute unklaren Umständen verstarb. Offiziell wurde eine Blutvergiftung durch eine Wunde an der Hand angegeben. Bei einer Exhumierung im Jahr 1963 wurden hingegen mehrere Brüche an den Armen und dem linken Brustkorb festgestellt. Daher gehen viele von einem gewaltsamen Tod durch die Pfleger der Anstalt aus.
Bedeutung seiner Arbeit
Erst Jahre später wurde die Arbeit von Ignaz Semmelweis von anderen Medizinern bestätigt und in der Praxis eingeführt. Heute gilt Ignaz Semmelweis als Retter der Mütter und als einer der großen Pioniere der modernen Medizin. Sein unbeirrbarer Glaube an Beobachtung, Logik und Menschlichkeit rettete unzählige Leben und legten den Grundstein für das, was wir heute als Selbstverständlichkeit betrachten: Hygiene als Voraussetzung medizinischer Arbeit. Einige Institute und Statuen erinnern heute an sein Werk.
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