Katja Diehl: Die Expertin für nachhaltige Mobilität im Interview

Katja Diehl zählt zu den renommiertesten Expertinnen im Bereich der nachhaltigen Mobilität. Wir haben mit ihr gesprochen.
Wie bist Du auf das Thema nachhaltige Mobilität gekommen?
Ehrlich gesagt war es kein gradliniger Weg. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, in der das Auto selbstverständlich war – für alles. Irgendwann habe ich begonnen zu bemerken, wie viele Menschen in meinem Umfeld nicht Auto fahren konnten oder wollten, und wie sehr das ihren Alltag einschränkte. Ältere, Kinder, Menschen mit Einschränkungen, Menschen ohne Geld für ein Fahrzeug. Da hat sich bei mir etwas verschoben: Mobilität ist keine technische Frage, sondern eine Gerechtigkeitsfrage.
Welche Projekte haben Dich besonders beeindruckt?
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir Bürgerbus-Initiativen in ländlichen Regionen – ehrenamtlich organisiert, oft von Menschen, die selbst betroffen waren. Die beweisen: Wenn der Wille da ist, entstehen Lösungen, ohne auf Politik warten zu müssen. Und international beeindruckt mich, was in manchen niederländischen Städten beim Schulwegrouting passiert – Kinder, die sicher und selbstständig zur Schule kommen, weil der Raum für sie gestaltet wurde, nicht gegen sie.
Was können Privatpersonen konkret umsetzen?
Zuerst: genau hinschauen. Wer braucht in meinem Umfeld Unterstützung bei der Mobilität – und was kann ich tun? Das kann eine Mitfahrgelegenheit sein, das Weitergeben des Jobtickets, das laute Einfordern besserer Busverbindungen beim nächsten Stadtratstreffen. Und dann: ausprobieren. Einmal die Strecke mit dem Rad fahren. Einmal den Bus nehmen. Nicht als Verzicht, sondern als Erkenntnisgewinn – was fehlt, was funktioniert, was man sich wünschen würde.
Was ist Deine positive Vision für die Zukunft?
Eine Gesellschaft, in der niemand ein Auto besitzen muss, um am Leben teilzunehmen. In der Kinder ohne Elterntaxi aufwachsen, Ältere nicht auf Angehörige angewiesen sind, um zum Arzt zu kommen, und in der öffentlicher Raum wieder Menschen gehört – nicht parkenden Autos. Das klingt groß. Aber die Bausteine dafür existieren bereits. Was fehlt, ist der Wille, sie zusammenzusetzen.
Wo können Interessierte mehr erfahren?
In meinen Büchern, meinem Podcast, meinem Blog und auf meinen Social-Media-Kanälen – vor allem auch auf LinkedIn, wo ich regelmäßig über aktuelle Entwicklungen, Projekte und meine Erfahrungen aus Gesprächen und Vorträgen schreibe. Und natürlich am liebsten vor Ort bei Lesungen und Vorträgen.
Liebe Katja Diehl, danke für die spannenden Einblicke! Hat dir unser Beitrag gefallen? Melde dich für den Newsletter an, um informiert zu bleiben. Wenn du uns unterstützen möchtest, kannst du das mit einer Mitgliedschaft tun!



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