Tschernobyl: Wölfe entwickeln Resistenz gegen Krebs

Neue Untersuchungen an Wölfen im Gebiet um Tschernobyl belegen eine hohe Resistenz gegen Krebs. Das könnte bei der Forschung helfen.
Einige Jahrzehnte nach der Tschernobyl-Katastrophe hat sich die Natur in der Sperrzone erstaunlich stark erholt. Trotz der hohen radioaktiven Belastung leben dort wieder zahlreiche Wildtiere, darunter auch Wölfe. Sie haben stabile Populationen gebildet. Äußerlich unterscheiden sich die Tiere kaum von anderen Wölfen, doch auf genetischer Ebene zeigen sich bemerkenswerte Anpassungen.
Überraschende Ergebnisse
Forschungen unter der Leitung der Evolutionsbiologin Cara Love zeigen, dass sich das Immunsystem der Wölfe deutlich verändert hat. Viele jener Gene, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krebs spielen, sind besonders aktiv. Diese Anpassungen ähneln teilweise den biologischen Reaktionen von Menschen, die sich einer Strahlentherapie unterziehen mussten.
Die Ursache dafür liegt wohl in der dauerhaft hohen Strahlenbelastung der Region. Über Generationen hinweg waren die Tiere einem starken Selektionsdruck ausgesetzt: Jene Individuen, deren Körper besser mit den Auswirkungen der Strahlung umgehen konnte, hatten eine höhere Überlebenschance. Dadurch entwickelte sich nach und nach eine Population, die widerstandsfähiger gegenüber Krebs ist.
Hinweise für menschliche Forschung
Diese außergewöhnliche Entwicklung macht die Wölfe von Tschernobyl für die Wissenschaft besonders interessant. Da viele Mechanismen der Krebsentstehung und Krebsabwehr beim Menschen noch nicht vollständig verstanden sind, könnten die genetischen Besonderheiten dieser Tiere neue Erkenntnisse für die Medizin liefern.
Die Forschung wird jedoch durch aktuelle Ereignisse erschwert. Der Krieg in der Ukraine hat die Arbeit in der Sperrzone stark eingeschränkt. Deshalb wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis das volle Ausmaß dieser bemerkenswerten Anpassung vollständig verstanden ist.
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