Constantin Bisanz: Vom erfolgreichen Unternehmer zur Spiritualität

Constantin Bisanz hatte das erfolgreiche Leben, das sich viele Menschen wünschen. Dann fand er seine wahre Bestimmung.
Wolltest Du immer Unternehmer werden?
Es war für mich früh klar, dass ich selbst etwas machen wollte. Ein großes Vorbild ist mein Onkel Helmut, der selbst Unternehmer war. Schon als Kind habe ich Flohmärkte und Tierclubs organisiert und hatte den Drang etwas zu tun.
Was hast du gemacht?
Als Jugendlicher habe ich begonnen zu fotografieren und für Modelagenturen zu arbeiten. In den Schule ist mir ein Schulfotograf aufgefallen, der unsymapathisch und teuer war. Da dachte ich mir: Das kann ich besser! Zunächst habe ich mit der eigenen Klasse begonnen und es dann auch meine Schule und andere Schulen ausgeweitet. Ich habe größere Pakete mit Modelfotos der Kinder gemacht. Natürlich war es sehr viel Arbeit und ich habe lange Zeit in Dunkelkammern verbracht. Aber es war finanziell lukrativ und alleine die größte Schule hat damals rund 300.000 Schilling (aktuell rund 21.800 Euro) eingebracht. Als Schüler ist das super und meine Schwestern haben mich dabei unterstützt. Die Fotografie habe ich dann bis etwa 26 gemacht und mich im Anschluss auf die Möglichkeiten des Internets konzentriert.
Erste digitale Erfahrungen
Anschließend hatte ich die Idee, die Bilder auf einer digitalen Plattform hochzuladen. Das scheiterte jedoch am Einverständnis der Eltern. Zwei Jahre später wurde Facebook gegründet. Zu der Zeit hat mich auch The Hunger Site (heute GreaterGood) fasziniert, die damals viral ging. Auf der Website hat man mit einem Klick auf Werbebanner die Spende von Tassen Reis an Bedürftige ermöglichen. Mit einer Gruppe an Entwicklern haben wir daraufhin ein Spiel entwickelt, bei dem von Aussterben bedrohte Delfine im Mittelpunkt standen. Dadurch sollte spielerisch Aufmerksamkeit geschaffen und Spenden generiert werden.
TruckScout
In San Francisco habe ich den Zusammenbruch der Dotcom-Blase mitbekommen. Sehr viele Firmen sind damals pleite gegangen. Einige digitale Marktplätze haben allerdings überlebt. Ich bin wieder zurück nach Deutschland gegangen und habe mit TruckScout einen Marktplatz für Nutzfahrzeuge gegründet. Der Exit erfolgte nach 5 Jahren an AutoScout.
Brands4Friends
Kurze Zeit später erfolgte die Gründung von Brands4Friends, einem exklusiven Marktplatz für Luxusmode. Die Firma wurde einige Jahre später an eBay verkauft.
Aloha
Aloha ist eine von mir mitbegründete Marke für pflanzenbasierte Proteinriegel. Bei diesem Unternehmen steht die gesunde und nachhaltige Ernährung im Vordergrund.
Weitere Projekte
Darüber hinaus war ich unter anderem bei dem Zahnschienen Start-Up Sunshine Smile dabei und als Investor bei einigen weiteren Unternehmen beteiligt.
Was hat dich angetrieben?
Ich wollte schon immer etwas aufbauen. Nichts zu tun ist mir schwer gefallen. Dabei war es mir schon früh wichtig, etwas Gutes zu tun und etwas beizutragen. Zunächst standen allerdings eher kommerzielle und skalierbare Unternehmen im Vordergrund.
Was zeichnet dich als Unternehmer aus?
Meine Stärke ist es, aus einer Idee heraus etwas zu starten. Dabei war ich in verschiedenen Branchen tätig, ohne jeweils Experte gewesen zu sein. Dabei habe ich einen Bedarf in verschiedene Bereichen erkannt und eine Vision geschaffen. Zudem habe ich ein starkes Netzwerk und die richtigen Teams zusammengestellt. Dafür fällt es mir schwer, der klassischen Manager zu sein.
Wie bist du mit dem Geld umgegangen?
Der Exit mit Brands4Friends war für mich eine Befreiung. Ich habe mir vorgenommen, so lange zu Reisen bis ich keine Lust mehr habe. Den Mitgliedern meiner Familie habe ich eine Reise geschenkt. Die einzigen Voraussetzungen waren, dass sie mindestens zwei Wochen bleiben und alleine kommen. Mit meinem Vater war ich in Brasilien, mit meiner Mutter in Thailand sowie Myanmar und mit meinen Schwestern in Maui, Bali und auf Neckar Island bei Richard Branson. Nach der Reise habe ich in New York gelebt. Dort habe ich ein luxuriöseres Leben geführt. Mit wurde aber mit der Zeit klar, dass mich die Statussymbole stärker interessiert haben, als ich sie mir noch nicht leisten konnte.
Macht Geld glücklich?
Bis zu einem gewissen Grad macht Geld glücklich, da es Unabhängigkeit bringt. Mich macht mein Leben im Moment glücklich. Ich fahre einen Fiat 500 und habe eigene Tiere, das sind meine Statussymbole. Das Haus am Meer ist auch schön. Mir persönlich geht es darum, meine Erfahrungen und unseren Zugang zum Leben mit den Menschen zu teilen. So können auch andere davon profitieren.
Wie bist du zur Spiritualität gekommen?
Ein Freund hat mich gefragt, ob ich schon mal über mein Leben reflektiert habe. Diese Frage hat mich im Anschluss sehr beschäftigt. Über einen Kontakt habe ich Ayahuasca probiert. Diese Erfahrung hat nicht mein Leben verändert, sie hat aber kleine Impulse gegeben. Im Anschluss habe ich ein Retreat beim Stamm der Shipibo gemacht. Dort hat mich eine Schamanin zur Spiritualität gebracht. Sie erklärte mir dass sie mit dem Universum kommuniziert und sich selbst für kleine Aspekte wie sauberes Wasser und Pflanzen bedankt. Bei der zweite Zeremonie hatte ich eine Vision, die mich mit dem was die Menschen als Gott bezeichnen verbunden hat. Ich war aus der Balance und die maskuline Seite war sehr dominant. Ich musste wieder in Balance kommen und mein Herz heilen. Anschließend sollte ich die unternehmerische Stärke nutzen, um Plattformen und einen geschützten Raum Transformation zu ermöglichen. Zunächst musste ich mich aber selbst heilen. Einen großen Durchbruch in der Selbstfindung hatte ich mit Iboga. Die Zeremonie war für Navy Seals mit einer posttraumatischen Belastungsstörung gedacht. Dort entdeckte ich ein tiefes Trauma aus einer früheren Beziehung, das mein Herz blockiert hat. Die Heilung hat mich über zwei Jahre und tausende Stunden Meditation beschäftigt.
Du hast an vielen Orten der Welt gelebt. Warum gerade Korfu?
Ich habe hier mit meiner Frau eine Zeremonie gemacht. Wir hatten die Eingebung, uns hier niederzulassen. Der Ort hat eine sehr starke spirituelle Energie. Zudem ist die Insel noch nicht so touristisch erschlossen wie andere Orte und befindet sich darüber hinaus auch noch in Europa.
Wie hat sich Dein Blick auf Erfolg verändert?
Ich bin davon überzeugt, dass jeder Menschen mit Geschenken gesegnet ist. Jeder Mensch, jedes Tier und jede Pflanze hat eine bestimmte Rolle und ist mit allem verbunden. Es gilt diesen Mehrwert zu identifizieren, zu leben und mit anderen Menschen zu teilen. In Indien wird es Dharma genannt, in Japan Ikigai und im englischsprachigen Raum Purpose. Die ältesten Menschen der Welt haben das für sich gefunden und sind daher nicht am Arbeiten sondern sie leben ihr Warum. Gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz wird die Bedeutung der Menschlichkeit steigen und es wird Zeit zu verstehen, was es bedeutet ein Mensch zu sein.
Was möchtest Du mit Colibri bewegen?
Wir wollen mit Colibri eine Institution schaffen, die Menschen dabei hilft zu sich selbst zu finden und zu erkennen was wirklich wichtig ist. Unsere Vorfahren und die indigenen Völker wissen es noch aber wir haben vieles durch die industrielle Revolution verlernt. Einige der zentralen Fragen lauten:
- Wie trete ich in Verbindung zu mir und zu anderen?
- Wie kann man sich selbst heilen?
- Wie ernährt man sich richtig?
- Wie hält man Tiere?
Wir möchten eine Schule des Lebens bauen, in der die Menschen Heilung erfahren können und Tools an die Hand bekommen, die sie selbst umsetzen können. Dabei wollen wir auf eine Kombination aus vor Ort und online Möglichkeiten setzen. Wir haben uns eine Zeit lang überlegt, ob wir Investoren an Bord holen, haben uns aber dagegen entschieden. Für uns steht nicht der finanzielle Aspekt, sondern der Impact an erster Stelle.
Welche Übung möchtest Du den Menschen mitgeben?
Eine morbide aber starke Übung ist die Vorstellung der eigenen Grabrede. Sie zwingt einen dazu, aus der aktuellen Situation herauszutreten und sich zu fragen: Was bleibt von mir? Damit kann man den eigenen Antrieb und das persönliche Warum hinterfragen.
Wo können Interessierte mehr erfahren?
Auf der Website gibt es alle Informationen zu Colibri. Hier findet man weitere Informationen zu unserem Festival. Zu den Unterkünften geht es hier.
Lieber Constantin Bisanz, danke für das das Interview und die persönlichen Einblicke!
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