Strafvollzug in Norwegen als Vorbild für Menschlichkeit

Der Strafvollzug in Norwegen setzt stark auf Resozialisierung. Die Gefängnisinsel Bastøy sticht mit ihrem Ansatz besonders heraus.
Menschlichkeit hinter Gittern
Gefängnisse gelten als Orte der Strafe, Kontrolle und Abschreckung. Doch was, wenn die Haft nicht nur Wegsperren bedeutet, sondern eine Chance zur Veränderung? Norwegen zeigt mit einem ungewöhnlich menschlichen Ansatz, dass Respekt, Vertrauen und Verantwortung nicht im Widerspruch zu Sicherheit steht. Eine inspirierende Perspektive auf ein System, das die Grenzen zwischen Strafe und Resozialisierung neu zieht.
Der norwegische Ansatz
In Norwegen versteht man den Freiheitsentzug buchstäblich: Nur die Freiheit wird genommen – alles andere soll so normal wie möglich bleiben. Das bedeutet, dass Inhaftierte arbeiten, selbst kochen, ihre Kleidung waschen und sich im Alltag organisieren. Der Strafvollzug soll das Leben außerhalb der Mauern widerspiegeln, damit die Rückkehr in die Gesellschaft gelingt.
Gefängnisinsel Bastøy
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Gefängnisinsel Bastøy im Oslofjord. Hier leben in 115 Männer, die teilweise schwere Straftaten begangen haben. Sie sind in kleinen Holzhäusern untergebracht, arbeiten in der Landwirtschaft, im Fährdienst oder in Werkstätten. Es gibt keine Gitter und die Wärter tragen keine Uniform. Gewalt ist extrem selten. Das Ergebnis spricht für sich: Rund 16 Prozent der ehemaligen Bastøy-Insassen werden rückfällig, landesweit sind es mit weniger als 20 Prozent kaum mehr. Im internationalen Vergleich ist das eine außergewöhnlich niedrige Quote. Zum Vergleich: In vielen europäischen Ländern liegt sie bei 50 bis 70 Prozent. In Deutschland liegt dieser Wert bei 46 Prozent innerhalb von drei Jahren.
Norwegens Motto lautet: Wir verurteilen die Tat, nicht den Menschen. Die Haft soll zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln führen, nicht zur sozialen Ausgrenzung. Bildung, Therapie und Arbeit spielen hier eine zentrale Rolle. So entsteht ein System, das auf Vertrauen statt Misstrauen baut – und auf Zukunft statt auf Vergeltung. Ein paar Prinzipien stehen dabei im Zentrum:
- Normalität: Das Gefängnis soll das echte Leben so weit wie möglich abbilden
- Verantwortung: Inhaftierte entscheiden mit, gestalten ihren Alltag und arbeiten
- Respekt: Wärter und Gefangene begegnen sich auf Augenhöhe
- Bildung und Perspektive: Jede Haftzeit soll zur Vorbereitung auf ein Leben danach dienen



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