Jenny De la Torre Castro: Die Ärztin der Obdachlosen

Jenny De la Torre Castro war aufgrund ihres Engagements für Obdachlose in Berlin bekannt. Wir werfen einen Blick auf ihr soziales Wirken.
Leben und Herkunft
Jenny De la Torre Castro wurde am 1. Februar 1954 geboren und wuchs in den peruanischen Anden auf. Im Alter von sieben Jahren erkrankte ihre Mutter schwer. Aufgrund des Ärztemangels nahm sich sich vor, den Beruf selbst zu ergreifen. Im Jahr 1973 studierte sie Medizin in Peru und erhielt drei Jahre später ein Platz für ein Stipendium in der DDR. In den 1980er Jahren absolvierte sie eine Ausbildung als Kinderchirurgin an der Berliner Charité. Bei mehrmaligen Besuchen in ihrer Heimat Peru standen ihr die bürokratischen Hürden einer Anerkennung der Ausbildung im Weg. Daher kehrte sie nach Europa zurück. Ab dem Jahr 1998 war sie Gastdozentin an der Berliner Charité. Als ihre Stelle von 40 auf 25 Wochenstunden gekürzt wurde, gab sie aus Protest ihre Kündigung bekannt, da sie unter diesen Bedingungen keine angemessene Betreuung sicherstellen konnte.
Soziales Engagement
Am Anfang der 1990er Jahre war Jenny De la Torre Castro für ein Projekt tätig, das sich um in Not geratene schwangere Frauen kümmerte. Ab 1994 begann sie Obdachlose am Berliner Ostbahnhof zu behandeln. Zu Beginn arbeitete sie in einem Kellerraum ohne Fenster und mit gerade einmal 12 Quadratmetern. Ab dem Zeitpunkt wurde sie für die Menschen ihre Ansprechperson. Sie trat bewusst im Ärztekittel auf und siezte ihre obdachlosen Patienten, um ihnen Wertschätzung zu zeigen. Für ihr soziales Engagement erhielt Jenny De la Torre Castro mehrere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz. Mit dem Preisgeld der Goldenen Henne im Jahr 2002 konnte sie ihre Stiftung finanziell ausstatten und ihren Traum verwirklichen: Ein Gesundheitszentrum für Obdachlose. Sie bezeichnete Obdachlosigkeit als soziale Krankheit.



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